Rap ist Literatur – oder: das Zebra ohne Streifen
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Münchenanzeiger
Aubing, 02.02.2012 10:00 |
 Auf den T-Shirts sind Zitate abgedruckt, die in der Literaturwerkstatt mit Mirijam Günter (sie sitzt hier links in der vorderen Reihe) entstanden sind. Foto: bsw PASING/NEUAUBING (bsw) „Du weißt, dass ich Dich hasse!“, „Scheiß Ausländer, geh zurück in Dein Land.“, „Du bist ein Unfall.“ Harte Worte, gesprochen von Erwachsenen, gerichtet an Jugendliche. Die Kölner Autorin Mirjiam Günter hat die Teilnehmer ihrer Literaturwerkstatt befragt, was das Schlimmste war, was sie von Erwachsenen zu hören bekommen haben. Die Aussagen sind schwer zu ertragen. Aber die zehn Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse der Mittelschule an der Wiesentfelser Straße haben ihren Weg gefunden, darauf zu antworten – mit Literatur: „Du wirst niemals ohne Enttäuschung glücklich sein.“, „Im Frieden steckt Hass.“, „Die Liebe kann schön, aber auch schmerzhaft sein.“
Einen sehr persönlichen Einblick in ihren Alltag und ihr Bild von der Gesellschaft gewährten die Jugendlichen mit ihren Texten als Abschluss der Literaturwerkstatt in der Pasinger Fabrik. Fünf Tage lang haben sie mit Mirjiam Günter selbst Texte produziert, aber auch große Literatur gelesen. Heine, Schiller, Goethe und Fried tauchen in den Zitaten auf. Um Liebe, Gewalt, Tod, Hoffnung, Freundschaft, Armut und Reichtum geht es in den Gedichten und Kurzgeschichten der Neuntklässler. Und es geht auch darum, wie sie sich selbst sehen: „Ich bin das Zebra ohne Streifen.“, „Ich bin ich und keiner ändert was daran.“, „Ich bin der Regen, der auf die Straße fällt. Ich bin der Typ Mensch, der mir gefällt.“
In einer Kurzgeschichte beschreibt eine Schülerin ihre Erinnerung an den ersten Schultag, die Aufregung und die Freude, am nächsten Tag wieder hinzugehen. „Heute ist das anders“, wirft ihr Sitznachbar ein und alle lachen. Neben den schönen Texten, die in der Literaturwerkstatt entstanden sind, hat der Kurs auch einen praktischen Aspekt. Ein Schüler denkt dabei an den „Deutsch-Quali“, der in diesem Jahr noch bevorsteht. Mit Literatur wollen sich die Teilnehmer auch in Zukunft beschäftigen. „Ich habe vorher schon Raps geschrieben und das mache ich auf jeden Fall weiter.“
Barbara Schärtl-Wade |
 Momentaufnahmen aus den Werkstattgruppen. Fotos: bsw | |
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