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Kein Platz für die Ganztagsklasse Raummangel an den Grundschulen: Schulleiter im Münchner Westen schlagen Alarm


Nachricht von: Münchenanzeiger
Aubing, 22.02.2012 12:00


Der eklatante Raummangel am Schulzentrum an der Grandlstraße ist schon seit Jahren bekannt, Platz für Ganztagesklassen ist an der Grundschule nicht. Eine Erweiterung ist erst ab 2014 anvisiert. Foto: kö/ Archiv
MÜNCHEN-WEST (kö) Eigentlich sind sich alle einig: Der Bedarf für Ganztagsklassen an den Grundschulen ist da - ein Ausbau dringend geboten. Doch die Praxis schaut anders aus: nur zögerlich machen sich die Schulleiter an die Umsetzung und das mit gutem Grund - denn oft sind an den Schulen die Räume für Ganztagsklassen nicht vorhanden.
In einer vom städtischen Bildungsreferat vorgestellten Umfrage gaben 83,9 Prozent der befragten Eltern an, Bedarf an einer Ganztagesbetreuung für ihre Schulkinder zu haben. Bisher gibt es allerdings nur an 29 von 130 Münchner Grundschulen Ganztagesklassen.
Große Unzufriedenheit
Ausgerechnet gegen Stadtschulrat Rainer Schweppe, der sich den Ausbau der Ganztagesklassen auf die Fahne geschrieben hat, kamen in diesem Zusammenhang Anfang Februar schwere Vorwürfe auf. In einer Stadtratsanfrage wollte Stadträtin Ursual Sabathil (parteilos) unter anderem wissen, ob es stimme, dass der Stadtschulrat Schulleitungen erst unter Druck setze Ganztagesklassen einzuführen und sie dann bei der Schaffung von geeigneten Räumen „hängen lasse“. Auch der CSU-Stadtrat Josef Schmid wundert sich über den „schleppenden“ Ausbau und fragt unter anderem mit wievielen Schulleitern das Bildungsreferat konkrete Gespräche über den Bedarf und die Raumsituation geführt habe.
Hortplätze sind Mangelware
Über eine mangelnde Unterstützung des Bildungsreferates haben sich offenbar viele Schulleiter beim Staatlichen Schulamt beschwert, berichtete der Münchner Merkur. „Es werden viele Dinge versprochen und dann nicht eingehalten“, wird Schulamts-Leiterin Georgina Müller dort zitiert. Das Problem trifft auch diverse Grundschulen im Münchner-Westen. Hortplätze für die Nachmittagsbetreuung sind Mangelware - Ganztagesklassen könnten hier helfen, aber vielerorts ist einfach kein Platz. „Ich werde keine Ganztagesklasse einrichten, weil wir keine Räume haben“, sagt Christian Marek, Schulleiter an der Grundschule Oselstraße ganz offen.
Zu wenig Platz
Die Eltern seiner Schüler wünschen sich „in erster Linie eine ganztägige Betreuung“ ihrer Kinder, „das muss nicht unbedingt eine Ganztagesklasse sein“. Im Moment behilft man sich an der Oselschule mit diversen von den Eltern selbst organisierten Mittagsbetreuungen, denn einen städtischen Hort gibt es nicht. Dabei gibt es nur hundert Meter entfernt vom Schulhaus ein Grundstück mit einem großen Haus, das der Stadt vor einigen Jahren unter der Auflage vereerbt wurde, hier etwas für Kinder zu schaffen.
Der Traum vom Hort
„Die Oselstraße 39 zu einem Hort umzubauen oder wenigstens eine provisorische Dependance eines anderen Hortes hier einzurichten, das wäre ein ganz dringender Wunsch“, so Marek. „Aber es passiert nichts.“ Für eine Ganztagesklasse wären an der Oselschule „riesige Umbaumaßnahmen“ nötig. Dass die Stadt sich hier nicht engagiert, dafür hat Marek ein „gewisses Verständnis“. Denn in ein paar Jahren wird sich der Schulsprengel voraussichtlich so verändern, dass die Hälfte der Oselkinder die neue Grundschule an der Paul-Gerhardt-Allee besucht. Dann ist an der Oselschule Platz genug für Ganztagesbetreuung.
Umbau verschleppt
Besonders bitter ist die Raumsituation an der Grundschule an der Grandlstraße. Das Problem ist bereits seit Jahren bekannt, die Umbaupläne für die Grund- und die benachbarte Realschule werden aber immer wieder verschleppt. Schulleiterin Gaby Kerler ist erst seit einem halben Jahr im Amt und hat die Probleme von Anfang an zu spüren bekommen. Auf Grund gestiegener Schülerzahlen gab es in diesem Schuljahr fünf 1. Klassen, eine Klasse mehr als sonst, doch kein Klassenzimmer für die Kinder - Kerler musste improvisieren. Nächstes Jahr wird es noch brenzliger. Die Schulleiterin erwartet sechs 1. Klassen. Kerler hat darum Container-Klassenzimmer beantragt. „An einen Ganztagesschulbetrieb ist gar nicht zu denken“, erklärt sie. „Das scheitert an den Räumlichkeiten.“ Schon jetzt gehen die Kinder zum Religionsunterricht ins benachbarte Pfarrheim und fahren zum Sport nach Pasing an die Schererschule. Dabei findet Kerler Ganztagesklassen „notwendig und wichtig“, aber „wir haben kein Mauseloch mehr frei“ . Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Obwohl seit 2003 Baupläne für einen kompletten Umbau und somit eine Erweiterung des Schulzentrums vorliegen, wird der Baubeginn momentan erst für das Jahr 2014 anvisiert. Noch einmal zwei Jahre dauern die Bauarbeiten. Geht alles gut, dann haben die Obermenzinger allerdings ab 2016 ihre Traumschule: mitgenug Platz für Tagesheim, Mittagsbetreuung und Ganztagesklassen.
Im Hühnerkäfig
Den Schritt zur Ganztagesklasse gewagt hat die Schulleiterin der Grundschule am Ravensburger Ring, Claudia Hirschnagel. Doch auch hier leidet das Konzept unter fehlenden Räumen. Vier Ganztagesklassen sind es mit dem Start des kommenden Schuljahres, doch es gibt nur zwei Freizeiträume. Im Moment verbringen 48 Kinder die Nachmittage in einem 70 Quadratmeter Klassenzimmer. „Zieht man zehn Quadratmeter für die Möbel ab, bleiben pro Kind nur 1,25 Quadratmeter“, rechnet Hirschnagel vor. „Das ist weniger als man einem Huhn oder einem Hund zugesteht.“ Sie habe zwar anfangs Vorschläge vom Bildungsreferat erhalten, wie sie die Ganztagesklasse unterbringen könne, doch als in den darauffolgenden Jahren weitere Klassen dazu kamen, habe sich nichts geändert, moniert Hirschnagel. Bis September braucht sie nun eine Lösung, der örtliche Bezirksausschuss unterstützt sie und hat Container-Klassenzimmer gefordert. „Ich brauche das Provisorium, um die nächsten Jahre zu überstehen“. Allerdings befürchtet Hirschnagel auch, dass das Provisorium dann wieder als endgültige Lösung bleibt. Einige Vorschläge des Bildungsreferates, an der Schule Platz zu schaffen, lehnt die Schulleiterin rundheraus ab. So sollte sie sich z.B. von der Inklusionsklasse trennen, die behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam besuchen, oder die Übergangsklasse rausschmeissen, in der Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen auf die Regelschule vorbereitet werden. „Das ist keine Lösung“, findet die Pädagogin. „Wir wollen eine optimale Förderung der Kinder.“


An der Grundschule Oselstraße behelfen sich die Eltern mit privat organisierten Initiativen bei der Nachmittagsbetreuung. Foto: kö/ Archiv



Für die Erweiterung des Schulzentrums an der Grandlstraße wurde vor zwei Jahren bereits dieses Modell der Architekten Auer + Weber vorgestellt, doch der Baubeginn verzögert sich Foto: Archiv/ kö



Die Schulleiterin der Grundschule Ravensburger Ring hat für das nächste Jahr Container-Klassenzimmer beantragt. Im Moment gibt es hier drei Ganztages-Klassen, wenn im Herbst eine weitere dazu kommt platzt die Schule aus allen Nähten. Foto: pgv




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